5 Dinge können richtig schiefgehen, wenn Nachbarn Pakete annehmen!

Es passiert tagtäglich – die ersehnte Lieferung kann nicht persönlich zugestellt werden, weil niemand angetroffen wurde. Der Postbote hat für die folgende Alternativzustellung mehrere Möglichkeiten. In den meisten Fällen ist er angewiesen nach abfallender Priorität eine Zustellung beim Nachbarn, zu einem späteren Zeitpunkt oder in einem naheliegenden Paketshop bzw. der Postfiliale vorzunehmen. Der gut gemeinte und kostenfreie Service unter Nachbarn ist eine nette Alternative. Doch Vorsicht – nicht jeder Nachbar ist dir gut gesonnen und andersrum schätzt nicht jeder deinen freundlichen Service. Von Streitigkeiten bis Betrügereien ist alles dabei. Erfahre im Folgenden fünf Dinge, mit denen du bestimmt nicht gerechnet hast, wenn du Pakete annimmst oder deine Päckchen woanders landen.

Fall 1 – Dein Nachbar nimmt für dich ein Paket an wofür du die Annahme verweigern wolltest

Dumm gelaufen – aus Versehen etwas doppelt bestellt oder sich vor Eintreffen der Ware doch noch dagegen entschieden? Kein Problem, denn innerhalb des 14-tägigen Widerrufsrechts bei Onlinebestellungen hat man auch ohne Angabe von Gründen das Recht den Kauf abzubrechen. Aber – bei Nichtgefallen trägt der Käufer die Rücksendekosten, daher verweigert man am besten die Annahme. So geht das Paket direkt zurück zum Absender und es fallen keine Kosten an.

Was aber, wenn das Paket vom Nachbarn angenommen wurde und du die Annahme verweigern wolltest?

Die Theorie sieht so aus: Der Nachbar hat das Paket rechtskräftig angenommen und somit den Zustellprozess beendet, weder technisch noch in realen Situationen kann er die Annahme des Paketes nachträglich verweigern.

Praktisch könntest du das Paket jedoch einfach bei deinem Nachbarn versauern lassen, allerdings wollte er dir einen kostenlosen Dienst als Gefälligkeit erweisen und es wäre mehr als unverschämt, ihn jetzt mit diesem Problem allein zu lassen. Wie du zusammen mit deinem Nachbarn der kostenpflichtigen Rücksendung aus dem Weg gehen kannst, erfährst du im nächsten Abschnitt, wo es darum geht, wann der Nachbar sein Paket abholen muss.

In Einzelfällen kannst du das Paket in die Filiale oder einen Paketshop bringen und das Problem erklären. Sieht das Paket ungeöffnet aus, hast du Chancen das Paket als Annahme verweigert kostenlos zurücksenden zu können. Aber Achtung – das ist pure Kulanz und vom Versanddienstleister nicht vorgesehen, denn dieser Fall bietet ein großes Betrugspotential! Stell dir vor du bestellst das neue iPhone Xs und dein Nachbar nimmt das Paket für dich an. Du holst es ganz regulär bei ihm ab und öffnest das Paket. Jetzt hast du ein iPhone Xs, beschließt aber, dass du dafür nicht bezahlen möchtest. Also legst du einen Stein in das Paket, klebst es wieder zu und gibst es als „Annahme verweigert“ in der Filiale zurück. Du erklärst, dass es dein Nachbar fälschlicherweise angenommen hatte. Das Paket mit dem Stein geht als „Annahme verweigert“ zum Absender zurück. Dieser stellt natürlich fest, dass die Ware nicht so zurückkam, wie versendet. Der Schaden für den verlorenen Artikel geht dann auf die Kappe des Versanddienstleisters und bleibt, aufgrund der logistischen Prozesse beim Paketversand, mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Zusteller hängen. Davon abgesehen, dass du wahrscheinlich nie wieder ruhig schlafen kannst, ist das aber auch höchst illegal und strafbar. Solltest du also etwas bestellt haben, was du gar nicht wolltest, hänge am besten vor der Zustellung einen Zettel an die Klingel. Somit wissen dann deine Nachbarn und der Paketbote Bescheid.

Fall 2 – Du nimmst ein Paket für deinen Nachbarn an, er holt es aber nie ab

Sicher hast du auch schon einmal dein Karma aufgebessert und gutmütig für deinen Nachbarn eine Sendung angenommen. Doch als du den Paketboten freundlich verabschiedest und die 2 Meter hohe Möbelgarnitur aus Granit für deinen Nachbarn in deine Wohnung zerrst, stellst du fest, dass du eigentlich gar keinen Platz dafür hast! Dir fällt auf, dass dich der Zusteller mit den Worten „Der Nachbar erwartet das Paket dringend, ich kann’s nicht wieder mitnehmen“ etwas überredet hat, als du dich bereits den dritten Tag am Paket vorbeiquetschst. Aber was kann man tun, wenn der Nachbar das Paket nicht abholt?

Wie lange muss ich Pakete für meine Nachbarn aufbewahren?

Tatsächlich gibt es keine Norm dafür, wie lange man Pakete für Nachbarn lagern muss, daher gilt: Dem Nachbarn eine Frist setzen, dann ist man auf der sicheren Seite. Das kann z.B. über einen formlosen Zettel in seinen Briefkasten geschehen.

Aber fangen wir vorne an – die meisten Nachbarn finden es klasse, dass du sie vor dem aufwändigen Gang in die Postfiliale und damit verbundene lange Schlangen bewahrst, deshalb solltest du zu aller erst einmal beim Nachbarn klingeln oder ihm eine Notiz in seinen Postkasten werfen. Es kann nämlich gut sein, dass dein Nachbar noch gar nicht weiß, dass sein Paket bereits zugestellt wurde. Denn je nach Versender hängen 70% aller Meldungen zu verloren gegangenen Sendungen damit zusammen, dass keine Benachrichtigungskarte beim Empfänger hinterlassen wurde.

Und was tue ich nach Ablauf der Frist?

Reagiert dein Nachbar einfach nicht auf deine Nachrichten und ist dauerhaft nicht zuhause, gehen dir langsam aber sicher die Möglichkeiten aus. Auf keinen Fall solltest du das Paket aber einfach entsorgen oder dem Nachbarn sorglos vor die Tür stellen, denn mit deiner Unterschrift beim Paketboten hast du die Haftung für das Paket übernommen. Im Klartext heißt das: Geht das Paket verloren, kannst du für Schadenersatz haftbar gemacht werden.

Der richtige Weg ist es, das Paket zum Absender zurückgehen zu lassen. Bei den meisten Versanddienstleistern kann man das Problempaket dafür einfach im Paketshop abgeben. Einige bieten für diesen Fall sogar eine kostenlose Abholung an, die man im Internet buchen kann. Ansonsten nimmt es auch der Zusteller bei der nächsten Zustellung an deiner Haustür mit, je nach Dienstleister. Lass dir den Empfang des Paketes aber auf jeden Fall quittieren! Andernfalls hat der Zusteller vielleicht die Idee, es einfach vor die entsprechende Tür zu stellen, denn die Haftung liegt ohne Unterschrift immer noch bei dir! Es gibt allerdings auch Versender, wo es den Boten explizit untersagt ist, Pakete an der Haustür als Abholung mitzunehmen. Im schlimmsten Fall solltest du die Rücksendung an den Absender auf deine eigene Kappe nehmen, denn ein Schadensersatzanspruch könnte weitaus höher ausfallen, als die meisten Portokosten.

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Fall 3 – Du nimmst ein Paket für einen Nachbarn an, der gar nicht existiert

In vielen Mehrfamilienhäusern kennt man sich und wenn der Postbote ein Paket für einen unbekannten Namen abgeben möchte, fällt das sofort auf. Das ist aber nur der Regelfall, denn in Hochhäusern mit über 100 Parteien, verliert wohl jeder die Übersicht, der kein eidetisches Gedächtnis hat – Bilder wie hier in Luxemburg zeigen sich auch in deutschen Großstädten häufig.

Nimmst du ein Paket für einen Nachbarn an, der wissentlich nicht existiert, kann das rechtliche Folgen haben. In dem Fall, dass Betrüger unter falschem Namen eine Lieferung erschleichen, entsteht dem Absender ein Schaden. Für ihn bist du das letzte Glied in der Lieferkette und mit deiner Unterschrift beim Paketboten auch haftbar, denn hier kann dir Vorsatz nachgewiesen werden, da du den Namen des Empfängers überhaupt nicht kanntest!

Fall 4 – Dein Nachbar unterschlägt dein Paket

Zwischen den meisten Nachbarn herrscht glücklicherweise ein kollegiales Verhältnis und man hilft sich für kleine Belange kurzerhand gegenseitig. Jedoch ist das nicht immer so – immer wieder sind kleine Missverständnisse Auslöser für stille Streitigkeiten. Gerade in Großstädten herrscht zunehmende Anonymität und je mehr Nachbarn im Aufgang wohnen und je öfter die Nachbarn durch Umzüge wechseln, desto geringer ist das gegenseitige Interesse. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass dein Nachbar einen Groll auf dich hegt, weil du vielleicht unbewusst zu laut gefeiert und ihn damit gestört hast. Das ist natürlich kein Grund dein Paket nicht rauszurücken – aber was tun, wenn dein Nachbar das Paket einfach unterschlägt?

Mein Nachbar behauptet, er hat mein Paket nicht – was kann ich tun?

Aus rechtlicher Sicht ist das erst einmal Unterschlagung. Suche das Gespräch mit deinem Nachbarn oder, falls er dazu nicht bereit ist, schreibe ihm einen Brief. Erläutere, dass er laut Sendungsverfolgung das Paket habe und doch bitte noch einmal genau nachsehen soll, denn du wirst in Kürze die Polizei einschalten, um zu ermitteln, wer dein Paket unterschlägt. Achte darauf ihn niemals direkt zu beschuldigen. Bringt das nichts, wird es hier ganz schnell unangenehm, denn um deine Rechte in diesem Fall geltend zu machen, ist in den meisten Fällen ein Anwalt nötig – der ohne Rechtsschutz wohl den Wert des Paketes übersteigt.

Aber es gibt noch andere Möglichkeiten

Zu aller erst sei gesagt, dass der Nachbar mit seiner rechtsgültigen Unterschrift die Haftung für das Paket übernimmt. Für den Fall, dass seine Unterschrift nicht mit seiner regulären übereinstimmt, wäre der Paketbote haftbar. Händigt dir dein Nachbar das Paket aus, sollte er sich dafür immer einen Nachweis geben lassen, z.B. in Form einer Unterschrift oder durch Zeugen – im wahren Leben macht das natürlich kaum jemand, aber nur so gibt er die Haftung für das Paket wieder ab. Wenn du also dein Paket nicht von deinem Nachbarn erhältst und er einfach behauptet keines erhalten zu haben, solltest du die Lieferung ganz einfach beim Absender stornieren, denn du hast ja nichts erhalten. Dieser kann natürlich in der Sendungsverfolgung sehen, dass es beim Nachbarn abgegeben wurde, aber – stellen wir uns einmal dumm – dort ist es ja nicht. Der Absender muss sich im nächsten Schritt an den Versanddienstleister wenden, welcher mit der Unterschrift des Nachbarn nachweisen muss, dass dieser die Haftung übernommen hat. Der Versanddienstleister ist jetzt in der Pflicht seine Leistungserfüllung zu bezeugen und haftbar, falls er das nicht kann.

Sollte das alles jedoch nicht fruchten, kannst du eine Anzeige wegen Unterschlagung bei der Polizei aufgeben. Beachte dabei jedoch, dass du nicht einfach angeben solltest „Mein Nachbar unterschlägt mein Paket“, schließlich kommen auch noch der Postbote oder gänzlich andere in Verdacht. Um hier keine Anzeige wegen falscher Verdächtigung zu riskieren, ergänze also zum vermuteten Täter „Unbekannt“.

Damit dir letztendlich so eine Situation nicht noch einmal zur Last fällt, gebe im Bestellprozess an, dass du nur eine persönliche Lieferung wünschst oder lass dir dein Paket einfach in einen Paketshop, Paketbox oder zur Arbeit schicken. Was es dort zu beachten gibt, liest du in unserem Artikel Private Pakete im Büro: erlaubt oder nicht erlaubt?.

Fall 5 – Dein Nachbar nimmt dein Paket an und fährt in den Urlaub

Natürlich sollte man keine Pakete für Nachbarn annehmen, wenn man in absehbarer Zeit in den Urlaub fährt und der rechtmäßige Empfänger somit erst viel zu spät an seine Sendung kommt, die er vielleicht zeitnah benötigt. Aber was heißt „absehbar“? In der Regel holen Nachbarn ihre Sendungen untereinander innerhalb von 1-2 Tagen ab, doch muss diese Frist eingehalten werden und musst du es hinnehmen, dass der Nachbar rücksichtslos dein Paket einbehält?

Vorausgesetzt du bist der Eigentümer des Paketes, hast es also bereits bezahlt, hast du einen Herausgabeanspruch gegenüber deinem Nachbarn. Als Problem tritt hier aber hervor, dass du in den meisten Fällen über die AGB des Absenders akzeptiert hast, dass eine Zustellung auch an einen Nachbarn erfolgen darf, so ist es zumindest bei den meisten AGB der deutschen Versanddienstleister aufgeführt. Eine Frist für die Herausgabe gibt es leider nicht, sodass dir außer dem Ärger über deinen Nachbarn nicht viel bleibt als die Sendung beim Absender zu reklamieren (Mehr dazu in Fall 4). Es geht auch so, allerdings sollte sich der Nachbar den Empfang quittieren lassen:

Tipp: Mach dir das Leben nicht schwer und verhindere solche Vorfälle einfach von vornherein. Wenn du im Blick hast, welche und wie viele Pakete heute geliefert werden, gehst du vielleicht eine Stunde später einkaufen und empfängst die Bestellung direkt. Ganz einfach geht das zum Beispiel mit Packenda – hier leitest du einfach deine Versandbestätigungen per Mail an dein Packenda-Postfach weiter und erhältst die komplette Übersicht deiner Bestellungen. Wie einfach das ist, siehst du hier. Noch einfacher ist es, dir die Pakete ins Büro zu bestellen, denn die Lieferdienste richten sich nach den Öffnungszeiten. Dazu sollte dein Chef damit einverstanden sein – ist er das nicht, überzeuge ihn von den Vorteilen – Packenda erklärt hier weshalb das sinnvoll ist.

Beachten Sie bitte, dass die hier gemachten Angaben keine Rechtsberatung darstellen, sondern ausschließlich dazu dienen, eine erste überschlägige Einschätzung eines Rechtsproblems zu erlangen. Für ein ordentliches Vorgehen ist immer die Beratung durch einen Anwalt notwendig.